RASTAFARI und REGGAE

 

Marcus M. Garvey und Ras Tafari:

In den dreißiger Jahren tat sich eine Gruppe von ,,Spinnern" (crazy men) zusammen und verkündete, der Kaiser von Abessinien sei der Messias. Ras Tafari, der spätere Haile Selassie, war gemeint, dessen Name wörtlich ,,die Macht der Dreieinigkeit" bedeutet. Kaum jemand ahnte damals, welche tief-greifenden Auswirkungen diese Bewegung auf die Gesellschaft Jamaikas haben sollte. Marcus GarveyDie Rastafarians mit ihren langen Haaren und Bärten nahmen rein äußerlich die Hippie-Bewegung vorweg. Die Art, wie sie die Bibeltexte auslegten, schrie zwar gen Himmel; ihrem Selbstbewußtsein und ihrem Stolz, mit dem sie den neuen Glauben verkündeten, tat dies aber keinen Abbruch.  Die Ras-Tafari-Bewegung setzte zeitlich genau nach einer geistlich-religiösen Bewegung unter den Schwarzen dieser Welt ein, der Universal Negro ,Triprovement Associafion des Jamaikaners Marcus Mosiah Garvey. Sie setzte sich zum Ziel, die weltweit in der Diaspora lebenden Schwarzen zusammenzufassen, die nach den Juden das am meisten zerstreute Volk der Welt waren. Garvey, am 17. August 1887 in St. Ann's Bay geboren, war von Beruf Drucker. Seine Organisation mit dem anspruchsvollen Namen erwies sich als eine verheißungsvolle Sache. Sie breitete ihren Einfluß auf der ganzen Welt aus. Garvey selbst reiste durch eine Reihe von mittelamerikanischen Staaten und ließ sich anschließend in den Vereinigten Staaten nieder. Die UNIA-Organisation gewann bald danach an Schlagkraft. Garveys Forderungen waren: Selbstbestimmung für alle Schwarzen, ,,in der Heimat und im Ausland". Er begründete eine Bewegung ,,zurück nach Afrika" und zog sich mit dem Ruf nach einem neuen schwarzen Selbstbewußtsein die Feindschaft der Weißen zu. Großen Einfluß übte er auf junge afrikanische Politiker aus - so zum Beispiel auf ,,Zik" Azikiwe aus Nigeria, Kwame Nkrumah aus Ghana und Jomo Kenyatta aus Kenia, die später ihre Länder in die Unabhängigkeit führen sollten. In den Vereinigten Staaten kam es unter Garveys Einfluß zu der berühmten Busfahrt von Montgomery, die die Bürgerrechtsbewegung auslöste. Martin Luther King war später ihr berühmtester Vertreter.

Garvey versuchte sich als Gründer einer Schiffahrtsgesellschaft, der Black Star Line, mit der er den Rücktransport der Schwarzen nach Afrika organisieren wollte. Sie war ein Stützpfeiler des Vertrauens auf die eigene Kraft. Er scheiterte schließlich mit diesem Plan, da ihn ein amerikanisches Gericht aufgrund fingierter Beweise zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe als Postbetrüger verurteilte, die er in Atlanta abzusitzen hatte. Garveys persönliche Ehrlichkeit und seine Integrität wurden von niemandem in Zweifel gezogen, auch nicht von denen, die ihn gerichtlich verfolgen ließen; er beeindruckte selbst seine Kritiker. Er starb in aller Stille 1940 in London, doch bald erstrahlte sein Ruhm in vollem Glanz. Garveys Leichnam wurde feierlich auf seine Heimatinsel überführt und in einem Mausoleum beigesetzt.

 

Locken, Bärte, Bibeln: Garveys UNIA hatte auf die Schwarzen in Übersee großen Einfluß, der einzig vom Rastafarianismus übertroffen wurde. Dessen Lehre und Rhythmen wurden 20 Jahre vor der Black Power Movement und lange, bevor von Detroit aus die Black Muslims zu marschieren begannen, verbreitet. Bibelstudium eines Rasta-AnhängersDie Stärke der Rasta-Bewegung beruht auf der Kraft der christlichen Lehre wie auf dem Bestehen der uralten geschichtlichen Traditionen der Schwarzen. Ihre Anhänger betrachten sich alle als Kinder des Negus, dies ist die Bezeichnung der äthiopischen Könige, die direkt von dem biblischen König Salomon und Königin Sheba abstammen sollen. Wer in dieser  Linie steht, kann darauf hoffen, daß er in seinem als babylonisch betrachteten Exil überleben kann, in das er gewaltsam entführt wurde. Schließlich nährt der Rasta-Glauben die Überzeugung, daß alle Exilierten eines Tages aus dem Exil heimkehren werden-und zwar nach Äthiopien.

Das kontemplative und meditative Wesen des Rastafarianismus wird durch das Rauchen von Ganja, durch Trommeln, das Bibelstudium und durch Gesänge untermauert. Die führenden Anhänger dieser Lehre haben damit eine religiöse, abstrakt politische, nicht-rassistische Rassenlehre und Philosophie entwickelt. Sie haben darüber hinaus die Fähigkeit, mit ihrer Musik ,durch Kostümierung, körperliche Übungen, in Kunst und Dichtung sowie durch die Pflege des Handwerks ihren Ideen Nachdruck zu verleihen.

Der Reggae entwickelte sich in den ,,Rasta-Höfen"und brachte Weltstars wie Bob Marley hervor. Politisch gesehen, hatte Rasta bald so viel Gewicht, daß man Bob Marley, alsganja er tödlich an Krebs erkrankt war und in einem Krankenhaus in Miami lag, den jamaikanischen Verdienstorden verlieh. Die Politiker wissen, wie groß der Einfluß von Rasta gerade unter der jungen Generation ist.Bob Marley, der König des Reggae

Der echte Rasta-Anhänger übt sich darin, seine Bedürfnisse auf das Allernotwendigste an Nahrung und Materiellem zu beschränken, sich körperlich gesund zu erhalten und nichts zu fürchten als den Verlust seines Bartes und seiner Bibel. Der Bart ist das Zeichen seines Bundes mit Jah, seinem Gott, und die Bibel die Quelle seines Wissens; erhält sich vor allem an die Propheten des Alten Testaments, die nach seiner Überzeugung Haile Selassie und Äthiopien ausdrücklich erwähnen. Im Zentrum seines Glaubens steht die Annahme des göttlichen Wesens von Ras Tafari und damit der Glaube an seine eigene Göttlichkeit als eines von Jahs, Jehovas, eben Gottes Kindern. Als Selassie starb, bedeutete das keineswegs das Ende des Glaubens an Ras Tafari. Die Kreuzigung Jesu war schließlich auch nicht das Ende des Christentums.

 

I-and-I und Ras Tafar-I:

Die Entstehung des Rastafarianismus wurde im wesentlichen drei Mystikern zugeschrieben. Unabhängig voneinander und im Sinne der Heiligen Schrift arbeiteten sie sich nach innen zum Ich, der inneren Göttlichkeit, zum Id - bzw. dem I-and-I der Rasta-Liturgie vor und erreichten eine immer höhere Form der Konkretion, bis der König von Äthiopien dann der Messias wurde. Er war ab da nicht nur der König der Könige, sondern auch der Löwe von Juda und vor allem Auserwählter Gottes. Mehr als vierzigmal ist - für einen Rastafari - in der Bibel von Äthiopien und seinen Menschen die Rede. Diese Stellen bildeten reiches Informations- und Interpretationsmaterial für die Rastas - eine von zahlreichen einander widersprechenden Bibelauslegungen, die die einzelnen religiösen Gruppen seit dem Turmbau zu Babel entzweien.

Als Selassie 1966 Jamaika besuchte, empfingen ihn am Flughafen mehr Menschen und mehr Begeisterung als Königin Elisabeth. Schätzungsweise 100000 seiner Anhänger hielten trotz eines Platzregens aus. Die Kritiker des Rasta verbreiteten danach, der äthiopische Kaiser habe angesichts der vielen bedrohlich aussehenden Lockenköpfe so lange nicht das Flugzeug verlassen wollen, bis ihm die Regierung Jamaikas versichert habe, daß ihm nichts passieren werde. Die Rasta Anhänger dagegen verbreiteten die Version, Selassie sei infolge des überwältigenden Empfangs durch Tausende seine Anhänger vor Rührung in Tränen ausgebrochen.

Da Selassie auch der Löwe von Juda genannt wurde, machten die Rastafaris den Löwen zu ihrem Symbol. Es wurde sogar versucht, die Mähne eines Löwen nachzuahmen. Die Löwenmähne aus ungekämmten und ungeschnittenen Haaren, Dreadlocks oder Rasta-Locken genannt, sind äußeres Erkennungsmerkmal der Rastafaris. In den Straßen Jamaikas kann man auch immer wieder Rasta-Anhänger beobachten, die den würdevollen Gang des Löwen zu kopieren suchen. Selbst die Locken haben ihren afrikanischen Ursprung; sie sind der Kopfschmuck der Masal und der Galla; die Bibel liefert mit der Geschichte von der Macht der Haare Samsons auch dafür eine Rechtfertigung.

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche (beim Tod von Bob Marley)

Ausprägungen des Rasta:

Drei große Sekten des Rastafarianismus haben in Jamaika ihr eigenes kulturelles Leben entfaltet. Die älteren Gemeinden des Rasta-Propheten Prinz Emmanuel leben in den Bergen von Bull Bay östlich von Kingston. Gelegentlich zeigen sie sich in den Städten, wo sie an ihrem zu Turbanen gerollten Haar, den langen schwarzen Gewändern und als Verkäufer von Besen und Broschüren zu erkennen sind. Die Twelve Tribes Sekte zog eher die jungen, politisch interessierten und aktiven Rastas in ihren Bann. Bob Marley, dessen Stammname Joseph war, gehörte dieser Gruppe an. Ihre Zentrale liegt nicht weit von der Verwaltung der Tuff-Gong-Aufnahmestudios von Bob Marley. Die dritte Sekte, die Äthiopische Zion Coptic Church, ist wegen ihrer Verwicklung in den Drogenhandel in Schwierigkeiten geraten und sieht sich gerichtlicher Verfolgung ausgesetzt: Das Rauchen des heiligen Ganja-Sakraments ist nach wie vor einer der umstrittensten Aspekte der Bewegung, und nicht alle Mitglieder führen dieses Ritual aus. Die Rasta-Religion hat einen eigenen Moralkodex entwickelt. Er richtet sich gegen Habsucht und Betrug, gegen sexuelle Begierden, Ausbeutung und sogenannte ,,Abweichungen". Andererseits pflegt man die Künste und fördert den Ehrgeiz in den Bereichen Arbeit, Sport und Spiel, vor allem aber sucht man den Stolz auf die geschichtlichen Wurzeln in Afrika zu bewahren.

Die Hingabefahigkeit der Rasta-Frauen und -Männer hat die Phantasie der jungen Jamaikaner beflügelt. Das Erkennungszeichen der ,,dread locks", der schulterlangen Ringellocken, ist bereits allgegenwärtig. Man sieht sie auf internationalen Tennisturnieren, auf dem Fußballfeld, sogar an den Schreibtischen von Privatfirmen und staatlichen Verwaltungen-wenn auch verborgen unter dem Rastaturban. Rot, Grün und Gold, die Farben der äthiopischen Flagge, zieren die Kleidungsstücke junger Menschen auf Jamaika.

ic_ethio.gif (865 Byte)  Bedeutung der äthiopischen Flagge: Klick hier ic_ethio.gif (865 Byte)


smoky.gif (27338 Byte) Ganja, heilige Pflanze

Bei Jamaika denkt jeder automatisch an Rum und Ganja. Dennoch war cannabis sativa , so der botanische Name, hier ursprünglich nicht heimisch. Ganja kam erst Mitte des 19. Jahrhunderts im Gepäck der Kontraktarbeiter aus Indien in die Karibik. Wie die Rastas und Kopten in unseren Tagen verehrten auch die Hindus den ,,Hanf' als heilige Pflanze.

Schon bald merkten die Zucker-Barone, daß der Genuß von Ganja die Leistungsfähigkeit ihrer Arbeiter einschränkte. Die ersten Gesetze, die den Konsum von Marihuana untersagten, entsprangen demnach rein kapitalistischen Interessen, die sich vor allem um Produktivität und Profite sorgten.

Dennoch stieg der Verbrauch von Ganja mit der Einwanderung der Ostinder an. Die Entstehung der Rasta-Bewegung in den dreißiger Jahren löste einen weiteren Boom in Jamaika aus. Den großen Durchbruch erzielte das Kraut jedoch erst in den sechziger Jahren in den USA, als der ,,Reefer" auch außerhalb der Gettos von Harlem überall in den Vereinigten Staaten salonfähig wurde.

 GANJA, die heilige PflanzeDer zunehmende Bedarf des US-Marktes wurde zunächst vor allem von Mexiko gedeckt. Strengere Kontrollen seitens der amerikanischen Zollbehörden an den Grenzen zwangen die Dealer jedoch, sich nach anderen Ganja-Quellen umzusehen. So gelangte Jamaika, nahe bei Florida gelegen, an die Spitze der Liste ihrer Lieferanten. 1974 gingen rund 70 Prozent der jamaikanischen Ganja-Produktion in die USA.

Die meisten Bauern ernten ihr Kraut selbst, um jamaikanische Mittelsleute zu umgehen und somit den größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Ein wohlhabender Pflanzer erklärt: In diesem Geschäft kann man seiner Familie schon nach einem Jahr einiges bieten. Man kann ein Haus bauen, ein Auto kaufen. Man kann ein sehr bequemes Leben führen. Ich habe Männer gesehen, die nur eine einzige Hose besaßen. Seit sie im Ganja-Handel tätig sind, haben sie Dutzende davon. Er hat vielen Menschen in Jamaika geholfen."

In einem Land mit hoher Arbeitslosenrate, niedrigen Löhnen und mangelnden Beschäftigungsalternativen für Menschen ohne ausreichende Bildung ist die Versuchung groß, mit Ganja das Geschäft des Lebens zu machen. Noch findet sich im Parlament keine Mehrheit für eine Legalisierung von Ganja. Der Hintergrund ist auch ein wirtschaftlicher: In Verbindung mit ähnlichen Maßnahmen in den USA würde die Legalisierung Ganja zu einer Feldfrucht wie jede andere machen. Die Preise würden sinken und die Zeit der Riesenprofite wäre dahin.

Es ist zudem höchst unwahrscheinlich, da die Regierung Jamaikas ohne die Einwilligung der USA im Alleingang ihre Gesetze in bezug auf Ganja lockert oder sogar ganz abschafft. Das Problem ist vielschichtig: Viele Jamaikaner betrachten Ganja als eine heilende Gottesgabe, und so mancher ist aus rein wirtschaftlichen Gründen auf den Anbau der Droge angewiesen.

In den Touristenzentren ist Ganja überall erhältlich. Stundenlang stehen junge Männer vor den Hotels und warten auf Käufer. Selbst im zerklüfteten Inselinneren werden Wanderer von Jugendlichen angesprochen, die einen ganzen Sack Ganja mit sich herumschleppen.

Der Kauf und Konsum von Ganja wird jedoch mit saftigen Geld- und oder Haftstrafen geahndet. Anbau, Verkauf und Handel der Droge kann mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. Zudem ist es bereits ein Vergehen, Land zu bewohnen, auf dem Ganja hergestellt, geraucht oder verkauft wird oder auch nur die Pfeife zu besitzen.

Quelle: APA GUIDES  © 1995 APA PUBLICATIONS (HK) LTD

 

Bob  Marley, (eigentlich Robert Nesta Marley; 1945-1981), jamaikanischer Reggaemusiker (Sänger, Gitarrist und Komponist). Er wurde in Saint Ann, Jamaika, geboren. 1961 gründete er seine erste Band, die Rudeboys, die später als The Wailers weltberühmt wurden. Seine frühen Aufnahmen stellen eine Mischung aus Calypso und Soulmusik dar. In den späten sechziger Jahren entwickelte er mit dem Reggae eine Musikrichtung, die sich aus Rock-and-Roll-Elementen, Rhythm-and-Blues, Soul, afrikanischen Rhythmen und jamaikanischer Folklore zusammensetzt und ein Protestprodukt der Armenviertel und der Proletarierreservate Jamaikas war.

Bob MarleyBob Marley and the Wailers (anfangs noch mit Peter Tosh und Bunny Wailer) wurden 1972 mit Catch a Fire international bekannt, es folgten u. a. die Alben Burnin’ (1973), Natty Dread (1975) und Live at the Lyceum (1975). 1976 wurde er bei den Vorbereitungen für ein freies Konzert in Kingston angeschossen, vermutlich wegen seiner zunehmenden politischen Aktivitäten und seines Eintretens für die Rechte der Schwarzen. Während der die jamaikanischen Wahlen begleitenden Unruhen im Jahr 1980 spielte Marley eine führende Rolle und engagierte sich stark für die Ziele des sozialistischen Premiers Michael Manley. Zu diesem Zeitpunkt war seine Bedeutung als „Vater des Reggae" bereits unbestritten. Ende der siebziger Jahre machte er ausgedehnte Tourneen durch Europa, wo er in England, Schweden, den Niederlanden und Deutschland triumphale Erfolge feiern konnte. Das Album Rastaman Vibrations (1976) und eine Tournee durch die USA brachten ihm auch hier unerreichte Popularität ein, die sich mit Exodus (1977), Babylon by Bus (1978), Kaya (1978), Uprising (1980) und der Neuauflage früherer Stücke fortsetzte. Zu seinen größten Erfolgen zählen Nummern wie I Shot the Sheriff und No Woman No Cry, die auch von vielen anderen Musikern (z. B. Eric Clapton) interpretiert wurden. Marley starb 1981 in Miami an Krebs.

 

Bilder / Fotos aus   APA GUIDES  © 1995 APA PUBLICATIONS (HK) LTD

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